
Aufruf zum Kampf…
…gegen die Bequemlichkeit
Freunde, lasst euch ehrlich fragen:
Seit ihr völlig auf dem Hund?
Drückt euch nur ein voller Magen,
oder hat das stumme Klagen
etwa einen andern Grund?
Jeder hört: Es knackt beim Bücken
laut in eurem Knochenbau!
Müsst ihr in des Winters Tücken
ein vereistes Auto drücken,
fühlt ihr euch zwei Tage flau…
Schon beim leichten Schuheschnüren
gibt es einen Muskelkrampf,
und vom Sonntagskuchenrühren,
ja, beim Hundspazierenführen
kommt ihr puterrot in Dampf.
Macht ihr, um den Bus zu kriegen,
gar noch einen Dauerlauf,
japst ihr in den letzten Zügen…
Wenn die trägen Pulse fliegen,
gebt ihr schnell das Rennen auf.
Hört ihr Leut’ und lasst euch sagen:
Fort mit der Bequemlichkeit!
Eure Uhr hat elf geschlagen,
und ihr müsst es endlich wagen!
Euer Turnklub ist nicht weit
Liebe Freunde,
lasst euch grüßen,
bald ist dieses Jahr vorbei!
Bleibt gesund auf euren Füßen,
wechselt Pflicht und Tand’radei –
denn ein ewig Einerlei
kann das Leben nicht versüßen…
Denkt auch mal an eure Klasse,
dass sie weiterhin besteht
und nicht einfach mangels Masse
sang- und klanglos untergeht
(weshalb ich ja, wie ihr seht,
ein paar Zeilen springen lasse)!
Frohe Festtage und alles Gute!
Bitte des Schatzmeisters
Jeder Club, landaus, landein,
ob Gesellschaft, ob Verein,
braucht für sein Bestehen Geld,
das als Beitrag er erhält!
Es wär gut, bekäm er diesen
regelmäßig überwiesen,
doch der arme Kassenwart
wird zu oft darum genarrt.
Böse Absicht ist es selten,
doch wer wird den Vorstand schelten,
wenn er die Geduld verliert,
falls dies Jahr für Jahr passiert?
Lasst uns einen Weg beschreiten
gegen die Vergesslichkeiten!
Welchen Weg?? Es gibt da einen,
der in tausenden Vereinen
lang gebräuchlich und bewährt,
weil man bestens damit fährt:
Da der Beitrag unerlässlich,
andrerseits der Mensch vergesslich,
stimmet, ohne lang zu fluchen,
einfach zu, ihn abzubuchen!
Zieht nicht lang die Stirne kraus,
füllt den kleinen Vordruck aus,
sendet ihn an uns zurück,
und – wir strahlen fast vor Glück!
Euer Schatzmeister
Was ist ein Meister?
Nun, ein Meister ist ein Meister,
sei’s beim Amboss, sei’s mit Kleister,
weil ihn alle guten Geister
stets beflügeln, und so kreist er
um Probleme, die zumeist er
spielend löst! Und stets zerreißt er
sich die Haare, wenn ein dreister
Stümper pfuscht! Als Meister scheißt er
auf die Laien und dann weist er
sie zur Tür hinaus! Stets preist er
Meisterwürden! Und verreist er,
so zwecks Reimes nur zum Deister.
Seine Kritiker verspeist er
kühlen Kopfs und nie entgleist
er!
Gibt es ein Problem, verbeißt er
sich darin, und so beweist er
- ob noch jung und ziemlich dreist er,
oder schon als alter, feister,
wackeliger und vergreister –
Meister bleiben immer Meister!
Am Bau
Oft lassen Träger Träger fallen,
so dass sie auf die Zehen knallen.
Doch wie die Träger auch gestrichen,
ob mennigrot, ob grün, ob grau,
das wird vermutlich ausgeglichen:
Die Zehen werden immer blau!
Bauhilfsarbeiter Tacke,
der hatte eine Macke:
Auf Brust und Rücken trug er je
ein tätowiertes Riesen-T!
Der Tacke war im ganzen Land
als Doppel-T-Träger bekannt.
Metamorphose
Melodie: Mein kleiner grüner Kaktus
Ich kenn die Stätte, was gilt die Wette,
wo Langeweile sich entfaltet,
wo man seit Jahren schon oft erfahren,
dass selbst ein junges Herz erkaltet:
Jetzt nenn ich mal die Fakten und sag euch endlich wo:
Im Büro, im Büro,
im Büro!
Bei Listen, Zahlen, Akten wird keine Seele froh
im Büro, im Büro,
im Büro!
Ich glotz auf den Monitor bei niedrigem Gehalt,
ach, wär ich doch Konditor oder Staatsanwalt!
Die müden Augen schmerzen, der Rücken quält mich
so
im Büro, im Büro,
im Büro!
Doch welche Wonne, wie eine Sonne
wird sie die Müdigkeit vertreiben!
O, diese Wende, ganz ohne Hände
ist diese Frau nicht zu beschreiben!
Sie duftet nach Lavendel, zwei Meter neben mir,
ganz verrückt, ganz verrückt, ganz verrückt!
Sie hat mich schon am Bändel, ich träume nur von ihr,
hoch entzückt, hoch entzückt, hoch entzückt!
Sie hat ein Miniröckchen und provokante Knie,
trägt weder Strumpf noch Söckchen und ich liebe
sie!
Wie ich schon immer sagte: Ich bin von Herzen froh
im Büro, im Büro,
im Büro!
Spitze
Melodie: O alte Burschenherrlichkeit…
5 Tonnen wiegt der Panzerschrank
der Spar- und Darlehnskasse,
2 Meter hoch, 2 Meter lang,
da sagt der Dieb: „Ich passe!“
Nur Ede spricht: „Ich krieg dich doch!“
Und brennt hinein ein großes Loch
mit seiner Flammenhitze –
Mensch Ede, das ist Spitze!
Die Pieseldorfer Feuerwehr
die leitet Hubers Fritze:
Er schreit nach Wasser mehr und mehr
für seine Riesenspritze!
Das Feuer, das ist längst schon aus,
doch er spritzt nieder Haus um Haus:
Der Fritz mit seiner Spritze,
der Fritze, der ist Spitze!
Das Auge feucht, die Glieder matt,
liegt sie im weichen Bette.
Vom Schorsch, der grad gefensterlt hat,
träumt selig die Annette:
Er war schon fast ein bisschen arg,
so jung, so wild, so bärenstark:
Getroffen wie vom Blitze,
seufzt sie: „Der Schorsch ist Spitze!
Der Chefchirurg vom Annastift
der wirbelt die Skalpelle,
und wen die scharfe Klinge trifft,
geht meistens bald zur Hölle…
Den alten Friedhof nebenan
beliefert nur der eine Mann!
Stolz sagt er: „Wenn ich schlitze,
dann bin ich wirklich Spitze!
Der Herrgott, der die Menschen schuf,
sein Schöpfungswerk zu ehren,
bestückte sie zu dem Behuf,
sich kräftig zu vermehren!
Trotz Kriegen, Pest, trotz Mord und Fron
geht’s in die 6 Milliarden schon,
ganz ohne Plan und Skizze:
’s ist absolute Spitze!
Bürokratisches
Ich bin ein DIN A 4–Papier
von makelloser Weiße.
Egal, was man auch schreibt auf mir,
ich bleibe trotzdem DIN A 4,
selbst bei der größten Sch…
Ich werd als Kuli oft genannt
pikant vor allen Dingen,
denn jedes blöden Schreibers Hand
ist nur durch Druck und Zug imstand,
mich auf den Strich zu zwingen.
Ich klammer mich an kein Büro,
obgleich – das ist mein Name!
Verbinde ich zwei Blätter so,
dass sie verklammert, bin ich froh
und mach damit Reklame
Man nennt mich: alter Kolbenfüll’,
und bin ich leer, so zieht man
durch Drehen meinen Kolben still
nach oben, und die Tinte will
ins Vakuum, das sieht man.
Löcherliches
Ich bin der Locher Doppelloch,
mach Löcher nur im Pärchen:
eins und zugleich das zweite noch;
brauchst du ein Einzelloch jedoch,
so nimm ein Schießgewehrchen!
Der Radiergummi
Melodie: Der Vogelfänger bin ich ja…
Der Ratzefummel bin ich ja,
der Bleistift zittert, wenn ich nah,
und selbst die schönste Linie wich
noch immer, wenn ich drüberstrich!
Nur Tinte, Tusche, Kuli und
Kopierstift bringt mich auf den Hund:
Vor Hunger matt!
Graphit macht satt!
Hurra, was ich dort vor mir seh’:
’ne Fabermine zum Diner.
Nie ohne ...
Will er Karrieren starten,
ganz egal in welchen Sparten,
braucht der Mensch Visitenkarten,
denn man kann es kaum erwarten
- bei der Konkurrenz, der harten -
dass man ohne die aparten
Kärtchen, sei’s Daheim, auf Fahrten,
zu dem Kreise jener Smarten
zählet, die Karrieren starten.
Hausbesuche
Melodie: Bolle reist jüngst zu
Pfingsten . . .
Der Willi ist Vertreter
für guten Moselwein,
vor der Parterretür steht er
und drückt das Knöpfchen
rein:
„Wie wär’s mit einem Tröpfchen
vom sonn’gen Moselhang?“
und rutscht den Flur entlang.
Die Tür im ersten Stocke
ward schnellstens aufgemacht:
Da stand im hübschen Rocke
ein Mädchen voller Pracht!
„Für Sie Madam“, er flötet,
sie war Karatefrau:
sein linkes Ohr gerötet,
das rechte Auge blau.
Jedoch im dritten Stocke
zog man die Türe auf,
entriß ihm Schuh und Socke
und knallte ihm was drauf!
Er sagte sich belämmert:
nur eine
Treppe noch,
ein Hoffnungsfunke dämmert,
vielleicht schaff ich es doch.
Barfüßig stand der Gute
im Stockwerk Nummer vier,
ihm war ganz flau zumute,
doch klopft er an die Tür.
Tür auf - und weggerissen
den guten Musterwein,
die Türe zugeschmissen:
Nun stand er ganz allein . . .
Da sprang er in Ekstase
hinab das Treppenhaus
und drückt mit seiner Nase
die schwere Haustür raus.
Mit einem Schrei erwacht er,
sein Weibchen merkt es kaum,
und schweißgebadet dacht er
Tja, ein Vertretertraum . . .
Fußball-Machos
Willi, Jochen, Klaus und Jens
sind vier echte Fußballfans!
Als Kollegen im Büro
sind sie sonntags nirgendwo
als auf ihrem Fußballplatz,
um bei manchem frohen Schwatz
sich die Spiele anzuschauen –
doch zu Hause sind die Frauen.
Alle warn vor ein’gen Wochen
auf dem Hochzeitsfest von Jochen:
Inge war ’ne Augenweide,
so dass alle voll vom Neide
ihrem Kumpel gratulierten.
Sagten: Heute trifft's den vierten!
(denn die andern warn schon lange
fest im Griff der Ehezange. . .)
Nächsten Montag fragten drei:
„Du warst gestern nicht dabei!
Leer dein Platz auf unsrer Bank –
kein Intresse oder krank??“
Jochen wand sich ganz verlegen:
“Ach, es ist der Inge wegen!
Sonntags, meint sie, sei der Schatz
wichtiger als Fußballplatz!
Um des lieben Friedens willen
musst ich ihren Wunsch erfüllen.“
Da knurrt Willi voller Ärger:
„Grade du ein Drückeberger?!
Mach’s doch einfach so wie ich,
das Rezept hilft sicherlich!
Meine liebe, brave Ilse,
nicht dass ich zum Platz geh, will’se,
doch sie lächelt bloß verlegen ,
gibt mir beinah ihren Segen,
und wenn du jetzt fragst, warum?,
sag ich dir: bleib erst mal stumm!
Will sie aber weiter meckern,
musst du klotzen, nur nicht kleckern!
Übers Knie im festen Joch,
Hose runter, Kleidchen hoch
und 5 Schläge auf den Nackten –
denn das sind solide Fakten,
die nach kurzem Schrei’n und Flennen
alle Frauen anerkennen!
Seitdem ist die Ilse still
stets, wenn ich zum Fußball will.
Kann Erfolg nicht garantieren,
doch du solltest es probieren.“
Jochen sprach: „Des Fußballs wegen
will ich alles überlegen.“
Sonntag kam und Sonntag ging –
doch am Montagmorgen hing
jedes Auge streng an Jochen:
Hatte er sein Wort gebrochen?
Denn am Sonntag war bei ihnen
Jochen nicht am Platz erschienen.
Jochen wand sich ganz verlegen:
„Es ist deines Rates wegen,
dass ich nicht gekommen bin.
Als ich gehen wollte, schrie sie
und ich packte wie noch nie sie,
legte sie mir übers Knie
und begann die Therapie:
Höschen runter, Kleidchen hoch –
aber dann begann ich doch
unvermittelt einzusehn:
Ach – zu Haus ist’s auch ganz schön!“
Verrechnet
Klaus war mies in Mathe,
später aber hatte
er ’ne Wirtschaft übernommen
und war groß herausgekommen.
Kam sein alter Mathelehrer
und ward gleich Menueverzehrer
in besagtem Speisehaus
seines früh’ren Schülers Klaus.
„Klaus, du hast dich toll gemacht,
hast es wirklich weit gebracht.“
„Das kommt“, sagt der junge Mann,
„weil ich so gut rechnen kann!
Für ein Kotelett, schlachtefrisch,
gibt’s 4 Euro hier am Tisch,
doch der Metzger kriegt nur einen
Euro, und da will mir scheinen,
dieses bringt mir immerhin
glatte 3 % Gewinn!“
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