
Willkommen
Ein Lebenslauf
Willkommen schreit der Herr Profess’,
ein Mädchen sollt es sein, indes:
ein Knabe tut es ebenso-
und klatscht mir kräftig auf den Po!
Willkommen hier im Kindergarten,
drei Jahre hattest du zu warten,
jetzt nimm die Klötze, bau ein Haus!
Na gut, das schaut ja prächtig aus!
Willkommen, ruft die Lehrerin, -
nu’ glotz nicht lange, komm mal rin;
und nach vier langen Jahren steht
das Einmaleins, das Alphabet.
Willkommen auf der Penne,
(8 Jahre lang) ich brenne
auf Abitur und Studium,
doch erstmal ziehe ich mich um:
Willkommen in der Uniform,
der Krieg belebt doch ganz enorm,
Knie beugt, Gewehr ganz langsam heben,
und wenn du Glück hast, bleibst du leben.
Willkomm’ im Auditorium,
schau dich zunächst ein bisschen um,
dann richte dich nach großen Zielen
und lass die grauen Zellen spielen.
Willkommen itzo im Berufe,
und mache dir zu dem Behufe
nur keine Illusionen,
denn niemand wird dich schonen.
Willkommen auf dem Standesamt,
zwecks Eheschluss und allesamt
der Reihe nach die Blagen
ins Stammbuch einzutragen.
Willkommen, Seniorenzeit,
ich dacht, sie läge noch so weit:
Von wegen – eh man sich’s gedacht,
ist bald der letzte Schritt gemacht.
Willkommen, ruft St. Peter,
dort vor der Tür, da steht er:
Mein Hauptbuch sagt mir messerscharf,
ob ich die Pforte öffnen darf?!
Willkommen, lachte Luzifer,
ich mache nicht soviel daher:
Hierhin gehör’n im Zweifelsfalle –
ganz ungeprüft – fast alle.
Ach, der Papa
Vater sprach: „Auf allen Wegen
(ohne lange abzuwägen,
ob auf graden oder schrägen)
sei mit dir des Himmels Segen!
Sei’s bei Sonne, sei’s im Regen,
ob auf Brücken oder Stegen,
solltest du Kamine fegen
oder füllst als Koch die Mägen,
solltest Wild und Wald du hegen
oder dicke Bäume sägen,
liebevoll Senioren pflegen
oder gar die Karten legen:
Wär’ ich noch so sehr dagegen:
Alles, Sohn, hat meinen Segen!
Spiele
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
das kleine Wörtchen „Spiel“
–
und frag’ ich auch an bei den Leuten,
das führt zu keinem Ziel:
Minetti spielt Faust im Theater,
der Kantor spielt Schumann und Bach,
die Kinder spiel’n Mutter und Vater,
Kasparow spielt immer nur Schach.
Ein Spiel hat bekanntlich die Achse,
der Dieb spielt herunter die Tat,
die Wellen umpielen die Lachse,
Tyrannen verspielen den Staat.
Gespielt wird mit wechselndem Motto:
Man spielt im Manöver den Krieg,
der and’re spielt lieber im Lotto
und Boris um Satz und um Sieg. Da gibt es noch witzige Spiele
mit Würfeln und anderem mehr.
Ein Vorspiel, das wünschen sich viele,
das Nachspiel schon we – he – niger…
So spielen wir uns durch das Leben,
zumeist mit geringem Applaus,
und seufzen am Ende ergeben:
„Ade nun, das Spiel ist aus“.
... im Bett, im Bett, im Bett !
Melodie: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten ...
Ich pfeif auf Möbelstücke,
ob Tisch, ob Schrank, ob Stuhl!
Ich brauch zu meinem Glücke
nur einen warmen Pfuhl ...
Ich könnt’ auf viel verzichten,
wenn ich nur eines hätt,
das geb ich auf mitnichten,
mein Bett, mein Bett, mein Bett!
Lieg ich auf der Matratze,
wo könnt es schöner sein??
’ne hübsche Delle hat se,
da kuschel ich mich rein,
gefüllt mit bester Daune,
die Decke macht’s komplett:
So wächst die gute Laune
im Bett, im Bett, im Bett!
Der eine schwört bei Grippe
auf eine Saunatour,
der andre spitzt die Lippe,
schlürft Milch und Honig pur.
Die armen Leute haben
vorm Kopf ein dickes Brett:
Ich würde mich vergraben
im Bett, im Bett, im Bett!
Man kann sich prächtig lieben
in Heide, Wald und Flur,
gern wird’s im Heu getrieben,
doch ich, ich sage nur:
Lass doch die andern schwärmen
vom Tannenduft - Duett ...
Ich kann mich bloß erwärmen
fürs Bett, fürs Bett, fürs Bett!
Und kommt die letzte Stunde,
sie bleibt uns nicht erspart,
’s trifft jeden in der Runde
auf eine andre Art,
es kommt ganz unterschiedlich ...
Wie ich’s wohl gerne hätt???
Ich hätt’s gern still und friedlich
im Bett, im Bett, im Bett ...
Gruftis
Melodie: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten
Der Mensch in jungen Jahren ist nicht besonders klug,
er möchte viel erfahren und nie kriegt er genug...
Den Grufti aber leiten Vernunft und Maß, zum Glück:
Er pfeift sich selbst beizeiten zurück, zurück, zurück!
Beim Sommerfest im Grünen, da wird ganz toll getanzt,
du zeigst mit deinen kühnen Figuren, was du kannst.
Den Grufti aber leiten Vernunft und Maß, zum Glück:
Er pfeift sich selbst beizeiten zurück, zurück, zurück!
Es lockt die schöne Ferne, das Auto steht im Stall;
man fährt ja noch so gerne, tritt auf das Gaspedal!
Den Grufti aber leiten Vernunft und Maß, zum Glück:
Er pfeift sich selbst beizeiten zurück, zurück, zurück!
Am Trimmpfad stehen Schilder: Hier 10 x Knie beugt,
davor ein junger Wilder, der seine Kraft bezeugt.
Den Grufti aber leiten Vernunft und Maß, zum Glück:
Er pfeift sich selbst beizeiten zurück, zurück, zurück!
Wie sind sie wohlgeraten, die Frauen voller Schmiss!
Zu allen Heldentaten wär’ man bereit gewiss!
Den Grufti aber leiten Vernunft und Maß, zum Glück:
Er pfeift sich selbst beizeiten zurück, zurück, zurück!
Doch jetzt vergesst mal alles, was ihr bisher gehört
und was im Fall des Falles die Alten nur empört:
Denn Gruftis, die sind offen und sehr aktiv zum Glück!
Sie weisen solche Strophen zurück, zurück, zurück!
Sie lieben, tanzen, fahren und kennen jeden Kniff,
denn erst in reifen Jahren, da gibt’s den letzten Schliff:
Die Gruftis unsrer Tage, die schmieden selbst ihr Glück!
Da bleibt so mancher Youngster zurück, zurück, zurück...
„Nur keine Sorge“
Zum Pfarrer in Mösling, da radelt die Zenzi,
ein kreuzbraves Weib, der Pfarrer, er kennt sie.
Sie heult nur und jammert:“Mei Sepperl ist tot,
wos ist dös a Schand, wos ist dös a Not!“
Der Pfarrer, er streichelt ihr silbernes Haar:
„Tot ist euer Sepperl, das ist schon wahr,
doch hat er gelitten so lange Wochen –
nun ist er erlöst, der Herr hat gesprochen.“
„’s ist nicht zwegen dem, mich reißts umeinand,
denk ich bloß an diese schreckliche Schand!“
Da spricht der Herr Pfarrer: “Es ist keine Schande,
wenn irgendwer stirbt in unserem Lande.“
„’s ist nicht zwegen dem, es ist nur die Schande!
Im Sterbebett hat er mir eingestande:
Er hat mich betrogen mit Vroni und Mirzl,
er packte wohl all unsre Mägd unters Schirzl.
Nur darum, Hochwürden, bin ich so in Rage,
vor’m ganzen Dorf diese Riesenblamage!“
Da sagte der Pfarrer: “Frau Zenzi, gebt Ruh!
Das weiß doch nur ich, euer Pfarrer, und du!
Du hältst halt die Goschen und ich schweige still,
da frag ich dich, wer was erfahren will?“
„Hochwürden, wisst ihr denn nicht, was man sagt,
dass allen den Männern zum Grab hinausragt,
womit sie im Leben die Ehe gebrochen,
obschon sie doch ewige Treue versprochen
und das, womit Sepperl die Mägde verhext
schon kurz nach dem Tode zum Grab hinauswächst??“
Da lächelt der Pfarrer, der weise, der gute
und sagte zur Zenzi: „Seid froh gemute!
Ich nehm seit Jahrzehnten die Beichte ab,
und wenn das so wäre mit jedem Grab,
wenn alles so käm, wie’s die Leute erwarten,
dann wär unser Friedhof ein Spargelgarten…“
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