
Morgenlied
Melodie: Im dunklen Wald… (Die Räuberbraut)
Am frühen Morgen übte sich ein Reimer,
doch alle Mühe war sofort im Eimer:
Weil sich die Sonne seinem Geist verbarg,
schrieb er von Horror bloß, von Mord und Sarg…
Am frühen Morgen träumt die holde Gattin
von ihres Mannes Seitensprung und hat ihn
– das Käuzchen schrie, noch war es dunkle Nacht –
mit ihrem Strumpfe zärtlich umgebracht.
Am frühen Morgen schmiert ein guter Gatte,
weil er sonst nichts als Rattengift nur hatte,
dem lieben Weibe dies aufs Butterbrot –
trotz Rattengifts ging sie nur mausetot…
Am frühen Morgen kommt der Kerkermeister,
aufs Henkersmahl, ein Wiener Schnitzel, weist er,
dann ruft er fröhlich: „Waschen’s sich den Hals,
sonst knirscht das Beil im Falle seines Falls…“
Am frühen Morgen bricht acht goldne Kronen
der Räuber aus der Lady Kieferzonen,
entwischt nur knapp dem scharfen Schäferhund
und jubelt: „Morgenstund hat Gold
im Mund!“
Aber heimlich still und leise…
Melodie: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten
Du stehst im Bus nach Hause
im dichtesten Gewühl!
Viel Zwiebeln gab’s zur Jause,
daher das Druckgefühl…
Doch in gewohnter Weise
nimmt alles seinen Lauf –
aber heimlich, still und leise,
sonst fällt’s am Ende auf…
Der BMW im Parkhaus
streift seinen Nachbarn sacht:
Die Beule sah recht stark aus,
dabei hat’s kaum gekracht.
Er murmelt: „Blöde Scheiße,
da geht mein Bonus drauf“ – aber heimlich…
Der Chef brüllt wie am Spieße
auf seinen Lehrling ein,
was alles ihn verdrieße,
er sei ein dummes Schwein!
„Du hast wohl eine Meise!“
sagt ihm der Stift darauf – aber heimlich… Der Forstadjunkt verführte
des Oberförsters Weib,
des Mannes Lüste schürte
ihr wohlgeformter Leib…
In einer Tannenschneise
nahm alles sie in Kauf – aber heimlich…
Der alte Vater stöhnet
ganz still in seinem Bett,
hat alle stets verwöhnet,
so wie man’s gerne hätt’…
Vor seiner großen Reise
tut er den letzten Schnauf –
aber heimlich still und leise,
sonst fällt’s am Ende auf…
Vor der Tür
Vor der Türe steht Paul Lincke,
rüttelt heftig an der Klinke;
durch die Ritzen zieht ein Duft,
und er schreit: „Berliner Luft!“
Vor der Tür steht Robert Koch,
starrt gebannt durchs Schlüsselloch,
doch er sieht nur Grabesstille,
aber keinerlei Bazille…
Vor der Tür ein Bernhardiner,
mir was anzubieten schien er:
Schnell zapf ich aus seinem Fässchen
leck’ren Schnaps – ein Mokkatässchen!
Vor der Tür steht Albert Einstein,
und man hört ihn: „Kann das sein??“ schrein.
„Diese Türe ist ja schief!
Na, zumindest relativ…“
Vor der Türe steht ein Lappe,
hebt die Messing–Briefschlitzklappe,
denn er hat sein Ren gefunden,
das durch diesen Schlitz verschwunden.
Pfannenfrühstück
Reimfolge: aa b cc
b
Morgens, noch in
Hauspantoffeln,
mach dir leckre Bratkartoffeln,
Düfte ziehen durch das Haus,
und es rufet die Famillje:
“Denke an die Petersillje,
dass er würzig, unser Schmaus!“
Jetzt noch ein
paar Debrecziner,
leicht gebräunt zwei zarte Wiener,
hei, das Wasser läuft im Mund!
Wenn dazu das Rührei schmurgelt,
Kaffee durch die Kehle gurgelt,
ist das Frühstück prall und rund!
Pfeif auf jede
Marmelade,
um den Honig ist’s nicht schade!
Würzig soll das Frühstück sein:
Eine volle Kaffeekanne
und die gute alte Pfanne -
schon ist eitel Sonnenschein ...
Der neue Bumerang
Ballade
Melodie: Wer das Scheiden hat erfunden…
Wambo war ein Australide,
in der Sippe hochverehrt,
schmiss den Bumerang solide,
dass er stets zurückgekehrt!
Über Köpfe, über Wipfel
warf er seinen Bumerang,
überwand die höchsten Gipfel –
nicht ein einz’ger Wurf misslang!
Einmal hatte er auf’s Schmeißen
einen ganz besond’ren Bock,
ließ den Bumerang umkreisen
den gesamten Ayers Rock!
Er traf Vögel in den Lüften,
fällte sicher jedes Schaf,
und in vielen Wüstengrüften
liegen Gegner, die er traf…
Diesem Meisterwerfer schenkte
einst ein deutscher Missionar
einen Bumerang und drängte:
„Schmeiß mal, der ist wunderbar!
Sieh nur an, welch stolzer Schimmer,
dieses edle Material:
Für Perfektes nimmt man immer
besten Kruppschen Edelstahl!
Seine Flächen, seine Kanten
– dadurch fliegt er ja so gut –
sind berechnet vom bekannten
Kaiser–Wilhelm–Institut!“
Und so nahm Owambo diesen
gralgleich edlen Bumerang,
den man ihm so angepriesen,
nahm ihn in die Hand und schwang
ihn mit kühner, wilder Geste
– 1000 Krieger schauten zu!
Viele Eukalyptusäste
warfen Blätter ab im Nu,
denn in ungeheurem Bogen
rast der Bumerang daher,
ist zum Horizont geflogen,
und – man sah in nimmermehr…
Traurig kniet Owambo nieder,
allzu groß war der Verlust!
Heftig schluchzt er immer wieder,
Schmerz durchwühlt die Männerbrust.
Nach minutenlangem Schweigen
richtet er sich wieder auf:
„Kurz nur war er mir zu eigen –
ja, so ist der Dinge Lauf!“
Doch, o hört, ein leises Singen,
Zischen jetzt, sekundenlang,
und herbei auf Silberschwingen
saust der neue Bumerang!
Trifft im Fluge eine Eule,
köpft noch schnell ein Känguru
und rast weiter mit Geheule
auf die Männergruppe zu!
Schräg von oben saust er runter,
gerade aus dem Sonnenlicht,
und Owambo blinzelt munter – –
doch – die Waffe sieht er nicht!!!
Ach, er hat es nie erfahren,
denn sein Schädel ward entzweit!
Seine letzten Worte waren:
„Das – sein – deutsche Wertarbeit…“
Vom roten Durst
Der eine isst gern Kotelett,
der andre schwärmt für Filets,
ich finde junge Mädchen nett,
und seh ich eins – ich will es!
Ich bin ein Vampir, ich bin ein Vampir,
ich bin ein VAMPIR!!!
Mich intressiert kein Milchgesicht,
mich reizen keine Waden,
mich stört ein kleiner Buckel nicht
und auch kein andrer Schaden.
Was wichtig ist am schönen Kind,
wer hätte das vermutet:
dass Hals und Kehle sauber sind
und rosenrot durchblutet.
Wenn, von der Jugend Traum bewegt,
durchpulst die Karotiden,
wenn glucksend sich die Ader regt,
dann wird mir Glück beschieden.
Zwei Hauer, wohlgeformt und weiß,
durchtrennen sanft die Häute,
vom Mädchenblute, rot und heiß,
schlürf ich als edle Beute.
Da wird so wohlig mir vor Glück,
kann meine Süchte stillen –
doch plötzlich zucke ich zurück:
Das schmeckt nach Knoblauchpillen!!
Voll Wut reiß ich die Hauer raus,
mein Blick fällt auf die Wand,
wo sich, o welch erneuter Graus,
ein Kruzifix befand.
Nun färbet noch zum Überfluss
das Morgenrot den Raum –
ich rase, weil ich fliehen muss
zum Sarg – ich schaff es kaum.
Drum Leute glaubt, es ist kein Jux,
Graf Dracula zu sein,
ich bräche besser doch als Fuchs
in Hühnerhöfe ein.
Kausalitäten
Wenn der Vogel nicht geschissen
der Frau Meier auf ihr Kissen,
wär ihr nicht vor lauter Schrecken
über diesen bösen Flecken
ihre heiße Kaffeetasse
ausgerutscht auf die Terrasse.
O, ein großer, scharfer Scherben
kündet hässliches Verderben,
denn er rutschte auf die Wiese
und versenkte sich in diese.
Als am nächsten Tage Frau
Meier durch den Morgentau
wie ein steifer Storch stolzierte
und den Pfarrer Kneipp kopierte,
spürt sie stechend einen Schmerz
von den Zehen fersenwärts,
und sogleich war ihr gewiss:
Ach, das war der Vogelschiss!
Der pfiffige Landwirt
Ein pflichtbewusstes Bäuerlein,
es pinkelt gegen’s Mäuerlein,
das dort am Felde stand…
Er zielt dabei mit solchem Witz
und klug durchdacht, auf dass es spritz
zurück zum Ackersrand.
Dort stand im Sommer wilder Mohn
und wuchs und wuchs – zwei Meter schon,
mit roter Blütenpracht.
Er schenkt die Blumen seiner Maid,
um die er schon so lang gefreit,
da hat sie lieb gelacht.
Das Bäuerlein jedoch war helle,
verschwieg dezent die Düngerquelle.
Weise Erkenntnis
Ein Schaf gibt Wolle, Milch und Fleisch –
doch niemals alle drei zugleisch!
Eigentlich
Ich wollt mich nach ’nem Euro bücken,
da rast ein Rollerbub heran:
Er rutschte über meinen Rücken
und rannte fort, sich zu verdrücken,
genau vor eine Straßenbahn.
Der Schaffner bremste voller Kraft,
der Wagen stand im Nu:
Ein Fahrgast hatte laienhaft
sich keinen festen Halt verschafft,
denn klein war sein IQ.
Er brach dabei sein rechtes Bein,
zwei Zähne flogen raus,
gleich fing er heftig an zu schrein
„O, welche Schmerzen, welche Pein!“
Dann trug man ihn hinaus.
Ein Krankenwagen rast herbei,
fuhr wie der Teufel los!
Der Fahrer einer Ziegelei
hört nicht des Martinshorns Geschrei:
Es knallte grandios!
Drei Dutzend Ziegel flogen hoch
in einen nahen Park,
genau ins dunkle Wasserloch,
die Enten schnattern noch und noch,
es geht durch Bein und Mark.
Schon fliegen sie in wilder Flucht
zur nahen Autobahn.
Ein Fahrer, der es noch versucht
zu bremsen, wird in voller Wucht
von hinten angefahrn!
Endlos die Autos auf der Spur,
verbeute und zerdrückte,
weil Wagen crash in Wagen fuhr:
obwohl ich eigentlich doch nur
mich nach ’nem Euro bückte…
Kampfgas
1 Pfund Limburger, ganz weich,
flüssig fast, aromareich,
weiter 20 Harzer Rollen
und diverse Knoblauchknollen,
schließlich 2 Pfund Romadur
schluckst du alles und zwar pur!!
O, dann macht der ganze Käse
dich zum teuflischen Gebläse:
Im Gedärm entwickelt fix
sich aus diesem Käsemix
ein Genuss für Kennernasen
in der Form von Edelgasen,
die dem hinter’n Spund entweichen –
wen sie treffen, muss erbleichen.
Fliegen fallen von den Decken,
Raupen sterben in den Hecken,
ja, die Wildsau, tief im Walde,
sie verreckt, und auf der Halde
welken frühlingsgrüne Buchen –
selbst die Japanesen fluchen,
wenn sie frische Seeluft testen:
„Gottogott, das kommt vom Westen!!“
Manneszier
Was die Männer vorne tragen,
braucht nicht weit herauszuragen –
hängt es auch nur glatt herab,
lang und seidig, aber schlapp,
strahlt es doch in edlem Glanze…
Hört, ich spreche von der Pflanze,
die an Männerkörpern blüht,
oft in 100 Farben glüht,
die der Liebsten Augenweide,
wenn sie passt zu ihrem Kleide,
die des Mannes beste Zier!
Schlimm, wenn er mal ohne ihr,
weil er sie vergessen hatte –
seinen i – Tupf – die Krawatte…
Tante Hanne an der Pfanne
Melodie: Wir sind die Sänger von Finsterwalde...
Die Tante Hanne steht an der Pfanne
und macht dem Manne sein Leibgericht, wie toll!
Die Bratkartoffeln, zäh wie Pantoffeln,
denn anders mag sie ihr Gatte nicht, jawoll!
Es macht ihm nur Verdruss, wenn er nicht kauen muss,
er hat ein Kraftgebiss, das ist gewiss, jawoll!
Die Tante Hanne steht an der Pfanne,
denn draußen wartet der Turnverein, wie toll!
Die Leute harren auf Kaiserschmarren,
denn Kaiserschmarren schmeckt allen fein, jawoll!
Der Pfannkuch’ wird gerupft und hin- und hergezupft,
viel Puderzucker auch, nach altem Brauch, jawoll!
Die Tante Hanne steht an der Pfanne,
der gute Gatte, der ist verreist, oho!
Gleich kommt ihr Schätzchen und Reibeplätzchen,
die machen Männer besonders dreist, soso!
Denn jeder Reibeplatz, der hebt den Hosenlatz,
sie würzt ihn bei Bedarf besonders scharf, jawoll!
Die Tante Hanne steht an der Pfanne,
der gute Gatte ist heimgekehrt, jawoll!
Sie fragt ihn: „Willze mal wieder Pilze?“
Da sagt er grinsend: „’s wär nicht verkehrt, wie
toll!
Er ist ihr unbequem, da löst sie das Problem
mit Knollenblätterschwamm zu etwas Lamm, jawoll!
Die Tante Hanne steht an der Pfanne,
und würzig duftet der Leichenschmaus, eiei!
Man liest die Bibel, sie schneidet Zwiebel
und quetscht manch Kno-ho-blauchzehe aus, o wei!
Die ganze Runde meint, dass sie vor Trauer weint,
doch Tante Hanne ist kein bisschen trist, ooo nein...
Zu weit gegangen
Auf’m Wege vom Bahnhof in Bern da war
zu Fuß ein älteres Ehepaar.
Sie gingen nur wenige Meter vor mir
mit großem Gepäck zu ihrem Quartier.
Er trug beide Koffer, sie schienen sehr schwer,
sie fuchtelte tänzelnd neben ihm her,
sie meckerte, knatschte, und kreischt ihm ins Ohr,
was sei er nur für ein gewaltiger Tor!
Die Stimme, sie überschlug sich fast,
er sei ihr allmählich total verhasst,
sie sei es nun leid, mit ihm länger zu leben,
ein zweites mal würd’s so was Blödes nicht geben…
So ging das nun weiter, ein, zwei Kilometer,
er trottete neben ihr, doch plötzlich steht er,
dreht sich zu ihr um und schlug mit Finesse
der Frau zwei, drei saftige in die Fresse!
Da sprang ich hinzu, noch ganz befangen:
„Mein Herr, nun sind Sie zu weit gegangen!“
„Sie haben ganz Recht, besser wäre es halt,
ich hätt’ ihr am Bahnhof schon eine geknallt!!“
Teufels Lieblingsbaum
Freunde, habt ihr im Bezirke
eures Gartens eine Birke??
Freut euch, denn ein jeder kennt’se,
ganz besonders, wenn im Lenze
auf dem ersten hellen Grün
warme Sonnenstrahlen glühn.
Herrlich leuchten dann die Blätter,
und vom spät’ren Donnerwetter
merkt man nicht die kleinste Spur:
Gartenfreunde, wartet nur!
Wartet, bis in Sommerstürmen
sich die morschen Äste türmen
und der Würmer große Haufen
schnell verstopfen alle Traufen!
Aber erst die Samenberge:
Sie ersticken Gartenzwerge –
schlimmer noch, wenn sie durch Ritzen
in die Schlafgemächer flitzen.
Doch als Höhepunkt: die Blätter,
wenn sie im Oktoberwetter
türmen sich zu Riesenhaufen!
Ach, es ist zum Haareraufen,
wie sie in den Regenrinnen
ihr verteufelt Werk beginnen,
wenn wir ihrer Massen wegen
nur noch fegen, fegen, fegen. . .
Freunde, meidet im Bezirke
eures Gartens jede Birke:
Ständig dich in Atem hält se –
darum: Fällt se, fällt se, fällt se. . .
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