
Glückliches Erwachen
Ein Mensch – wer kennt das Schicksal nicht? –
versagt total im Unterricht.
Er, der durchaus erfolgreich sunst,
sieht sich am Ende seiner Kunst
und stammelt vor der Tafel
Geschwafel, nur Geschwafel…
Wer Cäsar war, Napoleon?
Er sagt dazu nicht einen Ton
und auf die schlichte Frage, wie
der Kreis berechnet sich mit Pi –
starrt er – schon zittert seine Hand –
mit feuchten Augen vor die Wand.
Von Goethe kennt er keine Zeile
und als nach einer langen Weile
die Lehrer ihn für blöd erklären,
da stöhnt er, ohne sich zu wehren…
Jetzt kommen alle Pädagogen
ganz langsam auf ihn zugeflogen.
Die roten Feueraugen stieren,
die Zähne blitzen gleich Vampiren!
Da schreit der Mensch, dass man ihn rette –
und … findet sich verschwitzt im Bette
Erst ganz allmählich wird ihm klar –
dass er schon längst Professor
war!!
Der Zaubertrank
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so fröhlich bin:
Ich brauch keinen Therapeuten,
die dunklen Gedanken sind hin!
Durch Magen und durch die Gedärme,
vom Pförtner bis runter zum Po,
da zieht eine selige Wärme
und macht mich zufrieden und froh.
Der Trank, den ich köstlich genossen,
war rötlich und duftete stark,
er kam etwas ölig geflossen
und traf mich im innersten Mark:
So schlürfe ich Schale um Schale
vom wundersamen Saft
und spüre von Mal zu Male
die wachsende Lebenskraft.
Doch halt, welch entsetzliche Wende
bedrohet mein lüstern Begehr,
schon neiget das Glück sich zum Ende,
die göttliche Flasche ist leer!!
Doch gleich wird die Stimmung mir heller,
die Rettung verschafft sich Gehör:
Es stehn noch 3 Flaschen im Keller
von Omamas Beerenlikör:
Gekehrte Natur
Melodie: Wir sind die Sänger vom Finsterwalde…
Wie herrlich ist es, im Grünen wohnen,
wenn einen Sommer lang die Linde rauscht, jawohl!
Das braucht man gar nicht erst zu betonen:
Ich wüsste niemand sonst, mit dem man tauscht, o nein!
Der Nussbaum steht in Pracht, die gelbe Quitte lacht,
die Buchenhecke schützt vor fremdem Blick, welch Glück!
Mein Wunsch, mein frommer: Blieb’s ewig Sommer,
wie freute mich die grüne Prachtnatur, jawoll!
Doch dann im Herbste, am liebsten sterbste
und lägst im Koma – doch 8 Wochen nur, nicht mehr!
Dann werd ich wieder wach und ruf begeistert: „Ach!
wer hat die Blätter dieses Jahr gekehrt? Viel Wert!“
Doch dieses Hoffen bleibt ewig offen,
kein Fremder je den Fächerbesen schwingt, o nein!
Bei diesen Haufen gibt’s kein Verschnaufen,
bis man total erschöpft zu Boden sinkt, o ja!
Von Liebe zur Natur bleibt nicht die kleinste Spur,
ich kehr den Blätterscheiß gleich zentnerweis, o weh!
Im Lenze, wenn alle Blättchen sprießen,
dann atmet jeder froh die Frühlingsluft, jawohl!
Ich aber kann es nicht recht genießen,
ich denk an Blätterkehrn und Schweißesduft, o weh!
Ich möchte am liebsten fliehn dahin, wo’s immergrün:
Dort wo kein Blättchen fällt,
wär meine Welt,
ooo ja…
Blümchenreissen
Gewiss, es waren Margeriten,
dazwischen lag ein Graben,
hab sie gerissen, nicht geschnitten,
mein Schätzchen wollt sie haben.
Mit Blumen in den Händen sprang ich
zum andern Grabenrand,
nach einem kurzen Aufschrei rang ich
um einen sich’ren Stand.
Ich humpelte zum Auto hin
und dacht: Das Schicksal will es!
Dann zog es schwarz mir durch den Sinn:
Die Sehne des Achilles!
So hab ich, ohne Held zu sein,
was von dem alten Griechen –
ach Blümelein, ach Blümelein,
jetzt kann ich nur noch kriechen.
Schwarze Nacht
Nachtgedanken, Traumgespinste –
Gott, was bringt der nächste Tag??
Geldverluste, Zugewinste?
Ach, was da noch kommen mag…
Schielt das Liebchen nicht nach Männern,
die auf Frauen sich versteh’n??
Diesen gottverfluchten Kennern
sollte man den Hals umdrehn!
Draußen unter der Laterne
steht mein Auto, funkelnd–schick!
Blechgeräusche in der Ferne:
Läuft da nicht ein Bubenstück??
Jetzt rumort’s im Unterbauche,
etwas rechts, es zwackt und zwickt!
Ob ich wohl den Notarzt brauche,
denn mein Blinddarm spielt verrückt.
Diese Nacht ist eine Plage,
wälz mich schwitzend her und hin,
finde nicht dir rechte Lage,
weil ich so verzweifelt bin!
Und ich schwör’s bei allen miesen
Geistern, die mir dies gebracht:
Nie mehr ess ich solch ein Riesen–
Eisbein kurz vor Mitternacht…
Um die Ecke
Der alte Pessimist hat stets
auf meine Frage: „Na, wie geht’s?“
mit tiefem Jammerton erklärt,
dass diese Welt total verkehrt,
weil sie dem Menschen nichts gewährt,
bis endlich er zur Hölle fährt.
Zwei Häuser weiter um die Ecke,
da hockt im lauschigen Verstecke
ein liebend Pärchen eng umschlungen,
die Augen feucht und Mund an Mund.
Sie finden diese Welt gelungen,
zum Lächeln tausendfachen Grund.
Der flotte Optimist hat stets
auf meine Frage: „Na, wie geht’s?“
mit immer fröhlichem Gesicht
zurückgefragt: „Na, siehst du nicht?“
Die Welt ist schön, der Himmel licht,
der Mensch ist gut und Frohsinn Pflicht.“
Drei Häuser weiter um die Ecke,
da baumelt von der Zimmerdecke,
am Lampenhaken aufgehängt,
ein alter Mann. – Wer kennt das Leid,
das ihn zu diesem Schritt gedrängt –
von hier knapp 50 Schritte weit?
Drum Freundchen, sei ein Realist,
denn was für dich bedeutsam ist,
heißt immer: heute, hier und jetzt
und was dich streichelt, dich umkost,
was dich beleidigt und verletzt,
wird täglich neu dir ausgelost.
Und denke stets: Um beide Ecken,
je einen Steinwurf weit von dir,
sind Menschen, die sich Wunden lecken
und solche mitten im Pläsier.
Ja dann..
Antek hört, wie Leute sagen:
“Franzek ist vom Blitz erschlagen!“
Antek sagt: “Wen wundert das?
War schon letzte Zeit ganz blass!“
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