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Vorstellung

Der Speiseplan

Gästebuch


 

Diagnostick

   1. Junger Mann in knappen Jeans,
       grade dort zu schmerzen schien’s:
       „Sie ist viel zu eng, die Hose“,
        lautet da die Diagnose.

   2. Alter Mann auf dem Aborte
       spürte Schmerz am unt’ren Orte:
       „Leicht entzündet ist die Blase“,
       lautet da die Diagnase.

   3. Mann mit 40 klagt, er merke,
       schwierig sind der Liebe Werke:
       „Eine leichte Midlife-Krise“,
       lautet da die Diagnise.

   4. Mann mit Holzbein wackelt munter,
       fröhlich lachend rauf und runter:
       „Viel zu kurz ist die Prothese“,
       lautet da die Diagnese.

   5. Sie steht vor ihm mit enormen
       praxisfüllend üpp’gen Formen:
       „Silikon ist in der Bluse“,
       lautet da die Diagnuse.

   6. Schüler zeigt sein Nasenbein,
       dessen Anblick hundsgemein:
       „Dieser Schlag war ziemlich böse“,
        lautet da die Diagnöse.

   7. Einmal kam ’ne Dame munter,
       Wasser lief die Wangen runter:
       „Fehlfunktion der Tränendrüse“,
       lautet da die Diagnüse

   8. Kam ein Kind, in dessen Schopf
       rote Punkte auf dem Kopf:
       „Dieser arme Bub hat Läuse“,
       lautet da die Diagnäuse.

   9. Mann mit Fahne kommt zur Praxis,
       warum ihm nur heut so lax is?
       „Gestern wohl ’ne große Sause?“,
       lautet da die Diagnause.

10. Ganz nervös mit Dauertic,
       Manager im tiefsten Knick:
       „Ihnen fehlt die Inselreise“,
       lautet da die Diagneise.

11. Sind am Tisch die Becher leer,
       muss gleich die Bedienung her:
       „Schwer defekt sind die Gefäße!“,
       lautet da die Diagnäse…

 

Dem kranken Hühnchen!

Ein Mensch, und das geschieht nicht oft,
bekommt gesagt, ganz unverhofft,
dass sich in seinem Innenleben
viel mehr befände als es eben
nach ärztlichem Gebot erlaubt…

Man hört es, zweifelt, staunt – und glaubt,
dass nun der rosa Horizont
recht trübe wird und unbesonnt.

„Die Sache wird“, so hört man, „besser
nur durch das wohlgeführte Messer,
wodurch, was unbestellt gekommen,
ganz elegant hinweggenommen!“

Man ist ob dieser Rede platt,
dieweil man nie gerechnet hat,
dass das, wovon man oft gehört,
nun auch die eignen Wege stört.

Jedoch, was soll’s? So muss man leider
zum wohlstudierten Damenschneider.

Man zählt die Wochen, Tage, Stunden
und neidet sie den Vollgesunden…

Das Schlimmste ist die Zeit davor:
Man sieht sich schon im Engelchor,
vielleicht auf kleiner Flamme braten
ob irgendwelcher Missetaten??
Und – fragt sich dann, ob wohl der Mann
sich lächelt eine andre an?

Doch endlich schwindet aller Kummer
im seligen Narkoseschlummer…

Nun aber, Holde, ist’s geschafft!
Erst lahm, dann schneller kommt die Kraft,
der Appetit, die Freude auch,
es runden Bäckchen sich und Bauch – –
und sie, die trüb davongezogen,
kommt fröhlich flatternd heimgeflogen
ins wohlvertraute Nest zurück
(wozu ich beide Daumen drück)!

 

Dem neuen Mädchen

Hallo, endlich hat Marianne
neue Kugel, neue Pfanne!

Wieder liegt sie in den Wochen,
diesmal aber zweg’n der Knochen,
die verrückte Schmerzen machten
und so manchen Kummer brachten…

Mit dem neuen Hüftgelenke
springt sie über Tisch und Bänke
und sie wird ein übern andern
Tag ein größer Stückchen wandern!

Nur – – – das zarte Innenleben
wird es künftig nicht mehr geben:

Äußerlich noch Evasleib,
innerlich: Titanisch Weib…

 

ANKENOSE
 
Schon beim Erwachen jagen die Gedanken,
kann mühsam nur ins Badezimmer wanken,
beim Frühstück beben Hände mir und Flanken:
Weil um ein Traumbild die Gedanken ranken,
kipp ich bewusstlos fast aus den Opanken.
Wer mit mir spricht, tut’s wie mit einem Kranken,
fahr wie ein Blinder vor geschloss’ne Schranken,
statt Super will ich manchmal Wodka tanken
und frag nach Cognac statt nach Geld in Banken,
vom Kopf bis zu den Fesseln, meinen schlanken,
da bebe ich in Amors festen Pranken,
jedoch, erhaschte ich aus ihren blanken
stahlblauen Augen einen Blick, dann tranken
mein’ Augen dies als Kuss von Annerose –
total verknallt ist hier die Diagnose ...


Lieber Freund!
(dem die Autotür eine Fingerkuppe gekürzt hatte)

Zwei Zentimeter, knapp die Kuppe
(2 Gramm vom Doppelzentner),
schon ist dir alles andre schnuppe,
du zählst zur Invalidentruppe
und fühlst dich wie ein Rentner…

O, weit gefehlt, wer so gedacht:
du trägst die dumme Bürde,
wie’s ein gestand’nes Mannsbild macht
(ein Auge weint, ein Auge lacht),
das heißt: mit heit’rer Würde.