
Erfinderisch
Melodie: O, alte Burschenherrlichkeit
Was hat der Mensch im Zeitenlauf
nicht alles schon erfunden?
Er staut die stärksten Flüsse auf,
die Uhr zeigt ihm die Stunden.
Jedoch mein Schatz und ich, wir zwei
sind emsig unentwegt dabei,
mit echten Novitäten
in Amors Reich zu treten.
Geschickt war Archimedes schon,
er baute Kriegsmaschinen,
und Berthold Schwarz, der Höllensohn,
schuf frühe Tellerminen.
Mein Schatz jedoch und ich sind stets
bereit zu fragen: Na, wie geht’s,
des Tages schönste Stunden
erfinderisch zu runden?
So wirkt und wühlt die Männerwelt,
die Erde zu gestalten,
wobei sie kaum im Zaume hält
die schrecklichsten Gewalten.
Doch meinem Schatz und mir gefällt,
was diese Welt zusammenhält:
Man kann, an uns gemessen,
selbst Edison vergessen…
Bukett
Hier, nimm die Blumen, lieber Schatz,
mein silbergrauer Engel,
denn jede Blüte ist ein Schmatz
auf irgendeinen süßen Platz,
ein Streicheln jeder Stängel ...
Zielflug
Ich flieg auf dich, geliebte Frau!
Wenn ich in deine Augen schau,
schmelz ich dahin wie Frühlingstau.
Mir wird so heiß, mir wird so flau,
denk ich an deinen Körperbau…
Wenn du mir fehlst, ist alles grau.
Ich flieg auf dich, geliebte Frau!
Ich flieg auf dich, geliebte Maus!
Ich geh so gerne mit dir aus,
und mit der Würde eines Pfaus
streck ich die Brust gewaltig raus
(bei dir ist eh’ dort Saus und Braus) –
der Männer Neid ist mir Applaus…
Ich flieg auf dich, geliebte Maus!
Ich flieg auf dich, geliebtes Weib!
Wie ich mich tags an Fakten reib,
so nächtens nur an deinem Leib –
und morgens sagst du leise: „Bleib
bei unserm schönen Zeitvertreib“ –
mir wird schon flau, wenn ich’s beschreib…
Ich flieg auf dich, geliebtes Weib!
Ich flieg auf dich, geliebtes Glück!
Blick ich auf unsre Zeit zurück:
nur frohe Bilder, Stück für Stück,
und welche Früchte ich mir pflück –
ob ich mich recke oder bück,
ob ich sie tätschel oder drück …
Ich flieg auf dich, geliebtes Glück!
Diagnose
Habe ich mal Gliederreißen,
wird man es wohl Rheuma heißen,
tun mir meine Füße weh,
ist’s das Auge auf dem Zeh,
knarrt es mir in den Gelenken,
wird man an Arthrose denken.
Rast mein Herzchen immerzu,
das, geliebter Schatz, bist du!
Zieht’s vom Kopf bis in die Zähne,
spricht der Fachmann von Migräne,
macht der Rücken mir Verdruss,
ist’s vielleicht ein Hexenschuss,
wenn die Nase ganz verschlossen,
macht ein Schnupfen mich verdrossen ...
Rast mein Herzchen immerzu,
das, geliebtes Glück, bist du!
Hohes Fieber, trockne Lippe
bringt die asiat’sche Grippe.
Rote Punkte fast am ganzen
Körper sind das Werk der Wanzen,
trage ich ein Dreieckstuch,
ist’s vielleicht ein Speichenbruch ...
Rast mein Herzchen immerzu -
das, geliebte Frau, bist duuuuu ....
Füße I
(von den Socken)
Du hast so schöne Zehen, Süße!
Ich könnte viele Stunden hocken
nur mit Betrachten deiner Füße:
Bestell den beiden schöne Grüße,
doch – erst befrei sie von den Socken!
Wie herrlich glatt der edle Spann,
da bleibt kein Kennerauge trocken,
denn solchen Fuß sieht jeder Mann
mit unverhüllten Wünschen an,
ernüchtert nur noch von den Socken!
Doch ist dein Füßchen splitternackt,
so wird es die Verehrer locken!
Sie kommen im Minutentakt,
von wilder Sehnsucht angepackt,
und alle sind sie von den Socken!
Füße II
Männer lieben bei der Frau
einen schönen Körperbau –
Busen, Lenden, Schenkel, Po
hübsches Näschen sowieso,
zarte Öhrchen, rote Lippen,
um genüsslich dran zu nippen,
kurz, wenn alles tipp und topp,
fragt der Mann nicht lange, ob
dieses Weib auch aufgeweckt,
falls der Leib nur ganz perfekt.
So sind die normalen Männer!
Anders da die wahren Kenner:
Sie erwärmen sich dabei
häufig nur für ein Detail!
Ich zähl auch zu dieser Sorte,
denn mein Blick an jedem Orte,
in der Sauna und im Bade,
rutscht von hübscher Frauen Wade
runter zu den nackten Fliesen,
und der Grund: Na ja, auf diesen
stehn in aller Pracht und Süße
wonnigliche Elfenfüße.
Ganz vorne, fein geformt und schmal
die hübschen Zeh’n, zehn an der Zahl.
Dezente Knötchen als Geschenk
verleihen Anmut dem Gelenk,
von großer Zehe bis zur kleinsten:
ein Meisterwerk vom Allerfeinsten!
Wenn ich an diesen Zehen knabber,
ganz aufgelöst ein bisschen sabber,
wird jeder Tropfen auf der Erde
bewirken, dass ein Blümchen werde,
z. B. diesem Fuß zum Ruhme
die liebliche Pantoffelblume.
Wie zum Dekor die edlen Nägel,
blutrot gepinselt in der Regel,
sie ziehen Männeraugen an,
dass niemand widerstehen kann.
Der glatte Spann, ein Höhenrücken!
Das Wanderauge zeigt Entzücken,
und rechts wie links an zarten Knöcheln
liegt es, dass die Betrachter röcheln.
Und gar die Billardkugel-Ferse,
sie fordert jeden auf: Verehr ’se!
Wie du auch suchst in Wald und Flur,
du findest doch die eine nur…
Zuletzt die katzenweiche Sohle!
Bei mir kommt Sys- und Diastole
ganz durcheinander, wenn die weiche
ich mit den Fingerkuppen streiche.
Nur flüchtig schau ich auf die Wade
(natürlich ist sie eine Gnade),
doch Füße-Fetischisten denken:
Nur schnell den Blick nach unten lenken,
die Füßchen nur, die rosig glänzen,
will froh mit Lorbeer ich umkränzen.
Mit heißen Küssen, sanftem Tätscheln
will ich das edle Paar verhätscheln,
ja, wenn es zu realisieren,
ich würde beide adoptieren
und ihnen, ging es mal ans Sterben,
begeistert Hab und Gut vererben.
Weil dies nicht geht, versuch ich eben,
bewundernd lange noch zu leben!
Liebeslohn
Melodie: Wer das Scheiden hat erfunden…
(Getextet zur Einweihung eines Bankneubaus)
Eva war nicht stets gesonnen,
Adams Werben zu erhör’n,
doch er hat es klug begonnen,
konnt’ mit Rosen sie betör’n...
Missgelaunte Steinzeitweiber
hielt man in den Armen schnell,
hüllte man die schmucken Leiber
in ein neues Bärenfell.
Aspasia, die Hetäre,
wollte immer, immer mehr,
und der Perikles, auf Ehre,
schleppte 10 Talente her.
Ach, es stand nach jungem Blute
Julius Cäsar oft der Sinn:
War sie hübsch, so knallt der Gute
Hände voll Sesterzen hin.
Barberinas flotte Füßchen
hat die ganze Welt verehrt,
doch ein einzig heißes Küsschen
war wohl 1000 Taler wert.
Gerne wollt’ Owambo kuscheln
bei der holden Negermaid,
und für 50 Kauri-Muscheln
war sie gleich dazu bereit.
Dollars zahlte Rockefeller,
rubel-rollig war der Zar,
und der Handel blühte schneller,
wenn man nicht so geizig war.
Niemals war die Liebe billig,
darauf stelle man sich ein!
Heute sind die Dämchen willig
für den großen Euro-Schein.
Ach, Helene!
Ach Helene! Ach, Helene!
Hübsche, zuckersüße Kleene,
hast so zauberhafte Beene,
ach Helene, ach Helene!
O, wie ich mich nach dir sehne,
Augen haste, wunderscheene,
solche Augen hat sonst keene!
Ach, Helene, ach Helene,
reiß das Mäulchen auf und gähne,
denn dann leuchten strahlend jene
blendend weißen Mausezähne!
Notabene, notabene:
Aus Kapaunen werden Hähne
und vergießen manche Träne,
ach, Helene, ach, Helene!
Gierig küss ich jede Strähne
deiner feuerroten Mähne
ohne Rücksicht auf Hygiene!
Durch Arterie und Vene
rast das Blut mir bei der Szene!
Ach, Helene, ach, Helene…
Knie
Mein Schatz, mein Schatz, ich lieb dein Knie,
ich lieb es gerade so und wie
man einen edlen Wein genießt,
der gluckernd durch die Kehle fließt.
Dein Knie, es ist so unbeschreiblich,
so stramm, so fest und doch so weiblich,
ja, selbst das Knie der Aphrodite
ist neben deinem glatte Schiete!
Der hübschen Scheibe sanftes Rund
gelüstet es nach meinem Mund,
die Grübchen, rechts und links gelegen,
sie locken sinnlich und verwegen,
graziös tailliert, welch Göttergnade,
der Übergang zur strammen Wade,
die Sehnen rechts und links der Kehle,
sie liegen nachts auf meiner Seele
und lassen mich von Küssen träumen,
platziert in jenen Zwischenräumen...
Ein jeder Mann ist gleich umnachtet,
wenn er allein solch Knie betrachtet!
Die Kosten eines Blumenkorsos
trägt er zu Ehren dieses Torsos!
Ach, Knie, du göttergleich Geschenk,
nur Elfen haben solch Gelenk,
nur Nymphen, schwebend auf den Teichen,
sind so bekniet, so ohnegleichen!
Der Mann ist grenzenlos beglückt,
des Weib mit solchem Knie bestückt!
Er singet den Gesang des Bänkel
zum Lob von Ob- und Unterschenkel
nur für den glatten Übergang
zu dieses Knies Lobgesang!
Ja, dieses Knie ist seine Welt,
denn von der Etsch bis an den Belt,
im Morgen- wie im Abendland
ist keines dieser Pracht bekannt.
Zu allen österlichen Feiern
behängt er es mit bunten Eiern,
zur frommen Weihnachtszeit sodann
klebt er zwei rote Kugeln an,
weil deren Idealgestalt
von recht verwandtem Sinngehalt.
Statt der gewohnten "Stille Nacht"
singt er von dieses Knies Pracht...
Wer ihn des Sakrileges zeiht,
dem sagt er bloß: "Es tut mir leid!
Was göttlich ist, darf ich besingen,
ein ander' Liedchen muss misslingen!"
So singt er voller Energie
beseligt von der Liebsten Knie,
und wird die Stimme langsam leiser,
vom steten Singsang schwach und heiser,
so hört man noch im letzten Flüstern,
wie froh der Mann und auch wie lüstern...
Die alten Damen
Melodie: Mein kleiner grüner Kaktus…
Ganz junge Frauen sich anzuschauen,
ist für die Männer ein Vergnügen!
Würd’ ich dies sagen, ganz
ohne Fragen,
dann müsst ich ganz entsetzlich lügen:
Ich schwärm für alte Damen,
ob mollig oder schlank,
ganz egal, ganz egal, ganz egal!
Ich falle aus dem Rahmen, man nennt mich durch die Bank:
nicht normal, nicht normal, nicht normal!
Ich liebe halt die Falten, das silberblonde Haar,
das find ich bei den alten Damen wunderbar!
Ich schau ihr in die Augen und lächelt sie zurück,
welch ein Glück, welch ein Glück, welche ein Glück!
Frauen von 30, gewiss, das weiß ich,
gelingt es, Männer aufzuregen,
doch ich seh, worin die Seniorin
den Jungen haushoch überlegen:
Ich schwärm für alte Damen,
sofern sie flott und fit,
und so schön, und so schön, ach so schön!
Wenn auch die Jahre kamen, sie sind doch exquisit
anzusehn, anzusehn, anzusehn!
Noch nie im Leben hörtest du schönere Schalmei’n,
wenn du mit ihnen flirtest, wirst du glücklich sein…
Sie sind so welterfahren, man sieht’s an ihrem Blick,
welch ein Glück, welche ein Glück, welch ein Glück!
Sie sind so innig und davon bin ich
beglückter als in Jugendtagen:
Wenn sie dich küssen, dann wirst du’s wissen
und nicht mehr nach den Jahren fragen…
Zur Zeit, da hab ich eine, mit Augen – katzengrün,
so charmant, so charmant, so charmant!
Sie hat so schlanke Beine und unsre Herzen glühn,
heiß entbrannt, heiß entbrannt, heiß entbrannt!
Ich habe doch mit vierzig nicht halb so schön geliebt,
so hochpikant und würzig, dass es so was gibt!
Ich schwärm für alte Damen,
da nehm ich nichts zurück,
welch ein Glück, welch ein Glück, welch ein Glück!
Sehnsucht
Frühling ist’s, die Wiesen sprießen,
Vögel zwitschern im Revier.
Mich kann alles nur verdrießen,
denn mein Schätzchen ist nicht hier!
Frühling ist’s, und er erneuert
rings die üppige Natur.
Ich find alles bloß bescheuert,
ach, wo bleibt mein Schätzchen nur!
Frühling ist’s! Ich will nicht motzen,
such mir einen Wiesenplatz,
streck mich wohlig – ach, zum Kotzen:
Grade jetzt fehlt mir mein Schatz…
Im Fenster sitzet splitternackt
die süße Lorelei,
sie findet ständig Blickkontakt –
kein Wunder, sie wird ganz exakt
am heut’gen Tage drei.
Lausigkeiten
Die Filzlaus sprach zur Kopflaus:
"Wie hältst du's nur im Schopf aus?
Im Sommer ist es schrecklich heiß,
dazu der ekelhafte Schweiß!
Im Winter unter Pudelmützen
hast du dieselben Sudelpfützen!
Da lebe ich recht komfortabel,
grad eine Handbreit unterm Nabel!
Die Haare sind dort herrlich kraus -
hier lebt man seine Träume aus,
da ist was los, da tut sich was,
das Ganze macht 'nen Riesenspaß:
Hier kannst du was erleben -
so dicht daneben...."
Ritterkugeln
Manche Ritterrüstung hatte
unten einen Ball aus Stahl,
innen weich von Samt und Watte,
denn des Ritters lange Latte
ließ ihm keine andre Wahl.
Oftmals waren diese Bälle
äußerst kunstvoll ziseliert.
Rittersleut’ auf alle Fälle
haben in bewusste Stelle
ohne Rücksicht investiert.
War sein Schwert auch ganz verbogen
und sein Schild vom Feind zerfetzt,
kommt er aus des Kampfes Wogen
stolz zu seiner Burg gezogen –
falls die Kugel unverletzt…
Fröhlich lacht sein Weib Krimhilde!
Sie erkannte sonnenklar:
Schluss mit stolzem Schwert und Schilde,
doch sie ist sogleich im Bilde,
dass sie keine Witwe war!
Musikliebhaber
Die Damen hinter roten Lampen,
es sind nicht immer böse Schlampen!
Ich nenn als Beispiel nur Monique,
die lässt sich lieben mit Musik!
Die Männer, und das ist ihr Trick,
entspannen sich bei der Musik
und kommen, sagt Monique, die Kluge,
erheblich plötzlicher zum Zuge.!
So macht sie alle Männer glücklich
und wird sie los fast augenblicklich!
Sie wird, das ist der Witz dabei,
schnell für den nächsten Freier frei. . .
Die Liebesschwestern nebenan,
wo man fast alles hören kann,
erkennen an der Melodie,
wer grad in Moniques Therapie.
So passen zum Radetzkymarsch,
die Männerstimmen, etwas barsch:
Soldaten von der Schlosskaserne
hat Monique ganz besonders gerne.
Erklingt ein Orgelwerk von Bach,
wird nebenan der Kantor schwach,
„O sole moi“ aber zeigt:
Monique ist dem Tenor geneigt.
„Ihr Kindlein kommet“ – Weihnachtslied,
verrät, was nebenan geschieht:
Zu Monique magisch hingezogen
hat’s Willi, den Gynäkologen.!
Doch was ist das: Die Musik schweigt,
wer wird wohl damit angezeigt:
Ganz klar: Der Schulze, mit Verlaub
ihr Lieblingsgast, ist – völlig taub.
Die Liebesnacht neigt sich zum Ende,
man ist so müde um die Lende,
da klingt ein Trauermarsch herüber,
der Damen Stimmung färbt sich trüber:
Soll’s heißen: dass Moniques Salär
in dieser Nacht nicht legendär??
Von wegen, das ist Max, der Gute,
Boss vom Bestattungsinstitute!
So ist das Nachtwerk froh vollbracht,
hat vielen Männern Spaß gemacht,
weil, wie es schon im Schlager steht,
mit Musik alles besser geht. . .
Kammerjammer
Melodie: Wir sind die Sänger...
Mein liebes Schätzchen, ich weiß ein Plätzchen,
als sei es für die Liebe nur gemacht!
Doch deine Kammer, o welch ein Jammer,
hat uns bisher kein bisschen Glück gebracht:
Weil du mich darben lässt, hältst du den Schlüssel fest,
nur weil es Sünde wär, gäbst du ihn her.
Mein Stirnerunzeln erweckt dein Schmunzeln,
du sagst mir: "Nein, ich geb den Schlüssel nicht!
Du musst ihn klauen, denn im Vertrauen,
nur dann erfüll' ich meine Anstandspflicht!
So kommt der Bube fein in meine Stube rein,
das Ganze ist dann halt höh're Gewalt."
Und so geschah es, der Petrus sah es
und kniff sofort sein scharfes Auge zu.
"Was Menschen trieben, die heiß sich lieben,
das geht mich gar nichts an", sagt der Filou.
"Wer viel geliebt auf Erden, dem wird vergeben werden,
das steht, wie's jeder kennt, im Testament!"
Liebe
Ach, die süße Liselotte,
diese reizende Kokotte,
bringt mich gleich in Schwung,
macht mich wieder jung…
Mein Freund Werner aber spricht:
„Lieselotte liebt dich nicht!“
„Aber Freund, was soll der Rüffel?
Nein, das kann mich nicht verdrießen:
Mich liebt weder Lachs noch Trüffel –
trotzdem kann ich sie genießen!“
Null Bock
Melodie: Wir sind die Sänger von Finsterwalde
Bin 15 Jahre, hab lila Haare,
bin immer rotzefrech und hab Null Bock!
Auf Schule scheiß ich und gar nichts weiß ich,
mach keinen Finger krumm: Ich hab Null Bock!
Das Leben ist so öd, die Eltern stur und blöd:
Da ist doch sonnenklar: Ich hab Null Bock!
Nun bin ich 20, ein Partner fand sich,
der will nur Wandern, doch ich hab Null Bock!
Er liebt die Klassik, ja und das hass ick,
auch für’s Theater habe ich Null Bock!
Zuletzt hat’s nur gekracht, da hab ich Schluss gemacht,
auf Männer habe ich seitdem Null Bock!
Das ganze Leben, so ist das eben,
es ist beschissen und ich hab Null Bock!
Die Arbeit lass ich, denn so was hass ich,
ich sitz zu Haus voll Wut und hab Null Bock!
Egal, wie’s kommen soll: Ich hab die Schnauze voll:
Nur eins steht fest dabei: Ich hab Null Bock!
„Null Bock“
Wenn die schöne Henriette
nicht soviel mit Männern hätte,
wär ihr Kummer zweifellos
nicht so heftig, nicht so groß!
Adolar, ein Refrendar,
seinerzeit der erste war.
Lange hielt es zwar nicht vor -
doch sie nahm es mit Humor,
sagte nach dem ersten Schock:
„Männer, Männer? Nee, Null Bock!“
Bruno war ein großer Könner
in der Liebe und auch Gönner:
Schenkte Ketten, Ringe, Broschen -
doch dann hat er sie verdroschen!
Henriettes zweiter Schock:
„Männer, Männer? Nee, Null Bock!“
Friedrich Wilhelm war der dritte
und ein Mann von Pflicht und Sitte,
immer höflich, immer fein:
schon beim Anblick schlief sie ein.
Dieses war ihr dritter Schock:
„Männer, Männer? Nee, Null Bock!“
Null Bock hielt nie lange an,
immer kann ein neuer Mann!
Diesmal war’s der schöne Jochen -
er verschwand nach 7 Wochen. .
Dieses war ihr vierter Schock:
„Männer, Männer? Nee, Null Bock!“
Nummer 5 war der Johann’s,
6 der Willi, 7 der Franz,
8 und 9, zwei Zwilllingsbrüder,
wurden müd und immer müder. .
und nach diesem Doppelschock
sagt sie: „Männer, nee, Null Bock!“
Es wurd’ herbstlich, dem September
folgt Oktober, folgt November,
dann brach der Dezember an -
Henriette – ohne Mann . . .
Ihr ward mulmig unterm Rock -
fragend seufzt sie tief: „Null Bock??“
Eines Abends klopft es an!
Henriette denkt: „Ein Mann??“
Sie tritt in den Flur hinaus –
und da steht – der Nikolaus,
stützt sich auf den Bischofsstock
und fragt leise: „Na, Null Bock??“
Weiter will ich nicht berichten,
zu des Sängers edlen Pflichten
zählt ja seine Höflichkeit!
Eines nur – so gut, so weit -
zärtlich glättet sie den Rock,
nimmer hörte man „Null Bock!“
|