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Vorstellung

Der Speiseplan

Gästebuch


 

Steinlos, nein danke!
Melodie: O alte Burschenherrlichkeit

Aus Holz nur wäre unser Haus
ein leichter Raub der Flammen!
Das Felsenklettern fiele aus,
die Mauer bräch’ zusammen.
So nötig wie das liebe Brot
hilft uns der Stein in vieler Not:
Wir wären arme Schweine,
gäb’s nicht, gottlob, die Steine!

Und sprachlich erst? Wir ständen hier
ganz ohne Kraft-Metapher.
Der Bilder Saft vermissten wir,
die Sprache würde schlaffer!
Der Stein der Weisen? Unbekannt!
Das Steinerweichen? Nicht zur Hand!
Wir wären arme Schweine,
gäb’s nicht, gottlob, die Steine!

Wer würf’ den ersten Stein auf sie,
gäb’ Steine uns statt Brote?
Der stete Tropfen höhlte nie
den Leichenstein für Tote…
Wer hätt’ je einen Stein im Brett?
Ganz unerträglich wär’s, ich wett:
Wir wären arme Schweine,
gäb’s nicht, gottlob, die Steine!

Der Stein blieb’ auf dem andern dann
(das heißt, es gäb ja keine)!
Wir wären wirklich schrecklich dran
zum Anstoß fehlten Steine!
Und Goethe, unser Dichter, soll’s
getrieben mit ’ner Frau von Holz??
Wir jubeln im Vereine:
Gottlob, es gibt ja Steine!


Hallo…
(Gedanken in Stanzen)

Hallo, euch wohlvertrauten Freunden allen
gilt dieser Gruß, für’s Telefon gedacht,
und sollt er euch – grad so wie mir – missfallen,
seid bitte nicht zu heftig aufgebracht!
Denn – seine Klarheit scheint mir fast kristallen
und niemals bös gemeint im Vorbedacht.            

Zwei Silben sind es, dumpf nur die Vokale,
und nerventötend, hört man’s 100 Male.


Hallo, so rufen schon die kleinsten Knaben,
wenn auf der Straße sie den Onkel sehn.
Woher sie diesen dummen Spruch nur haben?
Die Gene können da nicht Pate stehn!
Das „Guten Tag“, vergessen und begraben,
antikes Kommunikationsgeschehn!

Wir traurig, wenn des Zurufs frohe Fülle
verkommt zu dieser blasenleeren Hülle.


Hallo – oft gilt’s in Briefen anzureden
Personenkreise, die uns kaum bekannt;
da gilt das kleine Zauberwort für jeden,
auch wenn er in persona nicht genannt!
Drum Vorsicht, eh wir diesen Gruß befehden,
er wird doch manchmal nützlich angewandt.

Was wir im Allgemeinen laut verbellen,
ist angebracht in ganz besondren Fällen.


Hallo, so lasset uns nicht länger hadern,
denn stärker war doch stets der Zug der Zeit.
Zwar fließt das alte Blut noch durch die Adern,
wir aber hören’s mit Gelassenheit
und immer, sitzend noch auf festen Quadern,
bedauern wir’s, doch ohne Eitelkeit.

So wollen wir denn selber treu uns bleiben,
und lächeln nur, wenn’s andre anders treiben.

 

E u l e n s p i e g e l e i
Melodie: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten …
 
Till Eulenspiegel fragt man
nach seiner neuen Braut.
Er holt tief Luft und sagt dann:
„Sie ist so schön gebaut!
Auch ihr IQ ist prächtig,
ein Weib, total perfekt.
ist dreier Sprachen mächtig,
’ne Optik, wie geleckt!
 
Und ums zu demonstrieren,
zwei Liter Kuhmilch her,
ich muss sie kräftig rühren,
der Arm wird mir so schwer,
nun zieh ich noch darunter
ein Liter Ochsenblut
und mische flott und munter
die beiden Säfte gut.“
 
Als diese Mischung fertig,
da war’s ein fieser Saft,
mit Schlieren widerwärtig,
so richtig ekelhaft!
Und alle Leute staunten:
„Sag, Till, was soll das sein?“
So manche aber raunten:
„Das sind ja Schweinerein!“
 
Doch Till rührt in der Suppe,
er zeigt sich unbeirrt;
es ist ihm völlig schnuppe,
ob’s Publikum verwirrt:
“So, sagen alle Kenner,
so sieht mein Schätzchen aus,
verliebte junge Männer
und manch erfahr’nes Haus.
 
Ein jeder sagt dasselbe
von ihrer zarten Haut,
vom Rheine bis zur Elbe
ist man von ihr erbaut!
Dass weiter sie so blühe,
rühr ich die Mischung gut:
Sie ist wie diese Brühe,
so schön, wie Milch und Blut ...“

 

Cogito, ergo sum!

Dieser Satz, er wirft mich um!
Er besagt ganz hintersinnig:
„Weil ich denke, deshalb bin ich“;
aus der Feder von Descartes
ist er reichlich schon bejahrt.

Jener Satz gilt ohne Schranken,
ganz egal, wie die Gedanken!
Ich gedenk, ihn zu benutzen,
wenn es geht ums Schuheputzen:

Seit ich denke ist Erdal
stets das Mittel meiner Wahl,
denn Erdal ist sehr ergiebig,
also sparsam, und das lieb ich.
Solches dacht ich und ich ward
existent, so wie Descartes!

So verschafft ein Schuhputzmittel
mir den Philosophentitel…


Spezialisten

Wie man hört von den Azoren,
leben dort zwei Dutzend Mohren,
die sich unablässig bohren
in der Nase, in den Ohren!
Kerle, jung, unausgegoren,
Kräuselhaare kurzgeschoren –
ach, es sind die reinsten Toren,
die zum Bunde sich verschworen
beim gesell’gen Nasenbohren,
und – – kein Popel geht verloren,
denn sie sammeln’s in Amphoren,
die sie dafür auserkoren.

So das Lied vom Nasenbohren
glücklicher Azorenmohren…

 

Palmströms garantiert chemiefreie Lebensmittelfärbung

 Palmström kocht sich einen Hummer,
doch es ist sein ganzer Kummer
und gereicht ihm nicht zum Spass,
dass der Hummer leichenblass!

 Da montiert er überm Tiegel
einen frisch geputzten Spiegel,
und der Hummer, kurz vorm Tod,
schämt sich fast zinnoberrot ...

 

Seniorenohren

Senioren halten steif die Ohren,
ob sie gelockt, ob kahlgeschoren,
ob urlaubsreif auf den Azoren,
ob Lehrer, Maurer, ob Pastoren
(sogar beim Lesen ihrer Horen),
ob weiß sie oder schwarz wie Mohren:
sie lieben Lollo und die Loren,
die sie schon lange auserkoren,
wie’s üblich ist bei alten Toren,
da sind sie echte Karnivoren
(zumindest gern Kommentatoren)
und geben selber sich die Sporen
beim Baden auf den Baleoren.
Sie fühlen sich dazu geboren,
zu bleiben so wie Junioren.
Sie spreizen sämtliche Sensoren
und dampfen Glück aus allen Poren!
Bei Damen und bei Rennmotoren,
da sind sie notfalls auch Sponsoren.
Zwar hatte ich schon lang geschworen,
die Sache sei jetzt ausgegoren,
doch ob wir schwitzten oder froren,
ob blass, ob bunt wie Trikoloren,
das Herz will immer noch rumoren,
nicht nur bei den Roman-Autoren
(und ihren lüsternen Lektoren)!
Wir schießen gern aus allen Rohren,
und wenn die Hoffnung fast verloren:
Wir stehen stolz auf den Emporen
und halten steif, so steif – die Ohren…

 

Zu Schüttelreimers Geburtstag

Statt langen Schmus herauszuwürgen,
kredenz ich besser, lieber Jürgen,
was dich seit längerem bewegt,
von dir gefördert und gehegt,
bewundert viel von aller Welt,
weil jede Perfektion gefällt,
und da du alles noch so hurtig,
fast möchte ich sagen: fallgeburtig
verfertigst, dran gibt’s nichts zu rütteln,
bist ein ganz Großer du im Schütteln!

 

Vogeleien

Hundefutter, Katzenklo,
Hühnerhof und Ententeiche:
Singular gibt’s nirgendwo –
totes Pferd = Perdeleiche!

Doch jetzt komm’s! Wer kennt sich aus:
Warum sagt man Vogelhaus??

Löwenkäfig, Schlangenbrut,
Gänseschmalz und Bärenfelle:
Immer ist die Mehrzahl gut –
Putenkeule, Taubenställe

Warum sticht die Pluralkarte
nicht bei jeder Vogelwarte??

 


Bergauf – bergab

Der Leiter, männlichen Geschlechtes,
ist, wenn man Glück hat, schon was Rechtes!
Er stehet irgendjemand vor,
z. B. einem Kirchenchor,
vielleicht gar einem Turnverein,
auch eine Reise könnt es sein,
ein Kreis zum Studium der Bibel –
man sieht, der Leiter ist flexibel.
Ganz oben steht, ein jeder weiß es,
der Leiter eines Irrenkreises.

Die Leiter ist bekanntlich weiblich,
ihr Einsatzspektrum unbeschreiblich!
Sie dient, schon Goethe hat’s gewusst,
der ordinären Lebenslust
in noble Höhen zu entfliehen,
wohin uns edle Frauen ziehen,
die zwar bekanntlich durchaus leiblich,
doch voller Seele, eben weiblich.

Nach diesem freundlichen Erguss
kommt gleich der böse Pferdefuß:
Dieselbe Leiter, kaum zu fassen,
kann Männer abwärts klettern lassen:
Dort, in den zügellosen Sümpfen,
sind Damen mit durchbroch’nen Strümpfen,
die hier in Positionen hocken,
dass alle Männer von den Socken.
Der Pan spielt fröhlich seine Flöte –
und alle schwör’n erneut auf Goethe,
denn dieser alte Knacker hatte
für jeden Fall was auf der Latte.

Der und die Leiter sind behandelt,
wie wird zum Neutrum sie verwandelt?
Man macht sie einfach winzig klein
und sagt dann bloß: Das Leiterlein!


 

Gedanken zur Entstehung und Entwicklung eines Schüttelreim-Verses

1. Irgendwie und irgendwann kam die Schüttelung
   „Seitenwind“ und „Weiten sind“ in den Sinn.

2. Ein weiterer Zufall (oder auch nicht) führte vom
   „Seitenwind“ zum „Seitensprung“.

3. Durch die Verknüpfung dieser beiden Begriffe mit den Schüttelwörtern
   „Weiten sind“ kann man einen kompletten Schüttelreim-Vers aufstellen.

4. Ein Optimist betrachtet alles von der positiven Seite und schreibt:

    Der Seitensprünge Weiten sind
    besonders groß bei Seitenwind

   

 

    voraussetzend, dass der Wind in Richtung des Seitensprunges bläst.

5. Auch dem Optimisten fällt beim genaueren Durchdenken dieser Aussage eine
    mögliche Fehlerquelle auf, könnte der Seitenwind doch auch vom erstrebten Ziele
    her wehen, mithin die Sprungweite verkürzen.

6. Er schreibt für diesen Fall:

    Der Seitensprünge Weiten sind
    nicht groß bei schlechtem Seitenwind.

7. Diese sehr präzise Aussage lässt natürlich gleich nach dem entgegengesetzten Fall
    fragen, der da lauten könnte

    Der Seitensprünge Weiten sind
    recht groß
bei gutem Seitenwind

 

 

    Hier könnten Moralisten einwenden, dass ein „guter“ Seitenwind eigentlich derjenige
    ist, der diesen nicht ganz koscheren Vorgang ver- oder zumindest behindert.

8. Alle bisher genannten Teillösungen sollten in einem Schüttelvers vereint werden,der
    die Wirkung des Seitenwinds auf die besage Übung für jede Windrichtung in ganz
    allgemeiner Form ausdrückt:

    Der Seitensprünge Weiten sind
    recht unbestimmt bei Seitenwind

Ein wenig geht bei dieser fast wissenschaftlichen Aussage von der poetisch überhöhten Erwartung eines Springers verloren, die sich in Position 4 findet.

Laien sind nur schwer davon zu überzeugen, dass es harte Arbeit bedeuten kann, Poesie mit kristallklarer Sachlichkeit zu verbinden.
Besonders für diesen Personenkreis ist das Obige gedacht.

 

 Verlegen  

Im Verlegen bin ich Spitze! 
Meines Eh’weibs bösen Witze  
darf ich Tag und Nacht ertragen.  
Muß ich nach der Brille fragen,   
sagt sie vorwurfsvollen Ton’s: 
„Sieh mal rechts des Telefons!“
Such ich meinen Filzpantoffel,
nur den rechten, sagt sie: „Stoffel,
nach dem Mittagsschläfen hinken
sah ich dich nur mit dem linken.
Also“, sagt sie spöttisch, „geh,
und sieh unterm Kanapee!“
War der Hinweis auch ein vager -
sie hat recht: darunter lag er!
Neulich saß ich auf dem Klo.
Wo war nur die Rolle, wo,
und ich rief verärgert: „Hier
fehlt die Rolle Klopapier!“
„Hast sie gestern selbst benutzt,
als den Spiegel du geputzt,
und so liegt sie wohl noch immer
auf dem Bord im Badezimmer!“
Knurrend brachte meine Olle
mir die heißbegehrte Rolle . . .
Im Verlegen bin ich Spitze
und ertrag die schlimmsten Witze,
denn ich bin, das ist ein Segen,
nicht im mindesten verlegen!

 

„Heute – M(m)orgen“

Dr. Enzian will etwas klären:
Es gibt Fragen zu den Tageszeiten,
die so leichthin nicht zu lösen wären,
weil sie jeglicher Vernunft entbehren
und der Deutung flugs entgleiten.

„Heute Morgen“, sagt er, „ist nicht morgen
sondern heute, weil, des Doppelsinnes
nicht beraubt, das Wörtchen morgen
muss für Klärung durch den Kontext sorgen“,
seufzt er aufgestützten Kinnes

„Hingeschrieben gibt es keine Frage,
weil der Morgen heute groß geschrieben
und das kleine morgen gilt am nächsten Tage,
doch wenn ich’s nicht schreibe, sondern sage,
könnte die Bedeutung sich verschieben.“

Dr. Enzian kann nur noch lästern:
„Hätte, als das morgen man erfand,
sich besonnen besser auf das gestern,
das hat keine zweifelhaften Schwestern:
Heute gestern, das ist unbekannt.